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Construction Future Lab: Automatisierung verändert Anforderungen an den Baugrund

Wie B_I MEDIEN berichtet, hat das „Construction Future Lab" (CFLab) in Görlitz-Klingewalde nach etwa einjähriger Bauzeit seinen Forschungsbetrieb aufgenommen.

Construction Future Lab: Automatisierung verändert Anforderungen an den Baugrund

Der schlüsselfertige Neubau wurde vom Bauunternehmen Goldbeck errichtet und am 28. August 2026 feierlich eröffnet. Die aus der Technischen Universität Dresden ausgegründete Einrichtung soll als praxisnahe Transferplattform Technologien für 3D-Betondruck, additive Fertigung und Baurobotik unter realen Bedingungen erproben.

Wo der Erdbau ins Spiel kommt

Für Leser mit Erdbaupraxis besonders relevant ist ein Schwerpunkt des Labors, der in der allgemeinen Berichterstattung leicht untergeht: die Automatisierung schwerer Erdbewegungs- und Hebezeuge. Dieses Fachgebiet verantwortet Prof. Frank Will mit seiner Professur für Baumaschinen an der TU Dresden. Seine Aussage, Maschinen würden künftig ihre Umgebung wahrzunehmen, Gefahren erkennen und reagieren, beschreibt einen technologischen Sprung, der über reine Effizienzgewinne hinausgeht. Denn automatisierte Maschinensteuerungen verändern die Schnittstelle zwischen Maschine und Baugrund – und damit auch die Anforderungen an Tragfähigkeit, Ebenheit und Verdichtbarkeit des Planums.

Aus geotechnischer Sicht folgt daraus eine klare Aufgabe: Sobald Maschinen sensorisch gestützt über die Baustelle navigieren, müssen die Vorgaben an das Planum präziser gefasst werden. Eine unzureichende Proctorverdichtung, die heute noch durch erfahrenes Bedienpersonal kompensiert werden kann, wird unter autonomen Bedingungen zum unkalkulierbaren Risiko. Die Wechselwirkung zwischen Maschinenintelligenz und Baugrundbeschaffenheit wird damit zu einem eigenen Forschungsfeld, das bislang zwischen den klassischen Disziplinen Maschinenbau und Bodenmechanik nur unzureichend abgedeckt war.

Sicherheit gehört auf die Baustelle, nicht ins Reagenzglas

Prof. Will formuliert eine Bedingung, die in der geotechnischen Praxis Anklang finden dürfte: Der Sicherheitsnachweis für autonome Baumaschinen muss im Schmutz, im Regen und direkt neben Menschen geführt werden – nicht in einer Reinraumumgebung. Für die geotechnische Begleitung solcher Erprobungen bedeutet das, dass die Interaktion zwischen automatisierten Erdbaumaschinen und dem anstehenden Boden unter baustellentypischen, aber reproduzierbaren Bedingungen zu dokumentieren ist. Veränderungen der Scherfestigkeit, des kapillaren Verhaltens und der Tragfähigkeit unter wiederholter Maschinenlast gehören in dieses Protokoll.

Die Eröffnung des CFLab markiert daher weniger einen fertigen Wurf als den Auftakt zu einer längeren Erprobungsphase. Belastbare Aussagen zur automatisierten Steuerung schwerer Erdbaumaschinen sind erst dann zu erwarten, wenn die Versuchsreihen unter realitätsnahen Bedingungen abgeschlossen sind. Bis dahin bleibt für Bauherren, Maschinenführer und Erdbauprofis gleichermaßen entscheidend, dass klassische bodenmechanische Grundsätze – sauberes Planum, nachgewiesene Verdichtung, dokumentierte Tragfähigkeit – nicht dem Verweis auf künftige Automatisierungslösungen geopfert werden.