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BAU 2027: Wie Digitalisierung und Robotik den modernen Erdbau verändern

Nach Angaben von Baulinks hat die Messe BAU 2027 (11.

BAU 2027: Wie Digitalisierung und Robotik den modernen Erdbau verändern

bis 15. Januar 2027 in München) ihre „BAU Insider" als Markenbotschafter für die Leitthemen der Branche benannt. Unter den vorgestellten Persönlichkeiten finden sich Stimmen zu Digitalisierung, Robotik und Bestandstransformation – Themen, die für Erdbau und Bodenmechanik unmittelbar relevant werden, sobald sie auf konkrete Baustellenprozesse treffen. Was davon normativ abgesichert tatsächlich auf dem Planum und in der Verdichtungskontrolle ankommt, bleibt für alle, die Erdarbeiten verantworten, die entscheidende Frage.

Robotik und KI als Werkzeug – nicht als Ersatz für Baugrundkenntnis

Dr. Lena Pätzmann, Co-Founder und CEO von Sitegeist Robotics, bringt es im Messe-Statement auf den Punkt: „Robotik verbindet Arbeitssicherheit mit Produktivität." Aus geotechnischer Sicht ist diese Verknüpfung folgerichtig, denn viele Unfälle im Erdbau entstehen nicht am Ausleger der Maschine, sondern am nicht standsicheren Böschungsfuß, am unzureichend verdichteten Arbeitsplanum oder an unklaren Lastannahmen. Autonome Verdichtungskontrolle, GNSS-gestützte Höhenmodelle und KI-gestützte Baugrundklassifikation können diese Risiken reduzieren – allerdings nur, wenn die zugrundeliegenden Bodenkennwerte korrekt erfasst sind. Ein Algorithmus ersetzt weder die Proctorversuche noch die Sondierungen nach DIN EN 1997-2; er macht deren Ergebnisse lediglich schneller verfügbar. Wer hierauf verzichtet, gewinnt Geschwindigkeit, verliert aber die physikalische Plausibilität.

Bestandstransformation beginnt im Boden

Sarah Dungs, Geschäftsführerin der Greyfield Group und Vorstandsvorsitzende des Verbands für Bauen im Bestand, formuliert die Bestandsperspektive: „Die Zukunft des Bauens liegt nicht allein im Neubau." Für den Erdbau hat das eine klare Konsequenz: Jede Bestandsbaumaßnahme beginnt mit der Frage nach dem vorhandenen Baugrund. Setzungsrisse entstehen meist nicht im Mauerwerk, sondern in der unzureichenden Verdichtung des Planums oder in nicht erkannten Auflockerungszonen des Untergrunds. Wer im Bestand baut, muss den Baugrund genauso behandeln wie bei einem Neubau – einschließlich Baugrunderkundung, Plattendruckversuchen und einem klaren Konzept für den Lastabtrag. Das gilt umso mehr für die serielle Sanierung, die Emanuel Heisenberg (Ecoworks) vertritt: Ohne reproduzierbare Baugrundqualität wird jede serielle Lösung lediglich zur wiederholbaren Schadenserwartung.

Was sich jetzt schon prüfen lässt

Auch wenn die Messe selbst erst im Januar 2027 stattfindet, lassen sich die genannten Leitthemen bereits in der laufenden Projektarbeit umsetzen. Vier Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Zunächst das Baugrundgutachten: Bei jeder Bestandsmaßnahme sollte ein Gutachten nach DIN EN 1997 vorliegen, das Lagerungsdichte, Scherfestigkeit und Kapillarität dokumentiert. Alte Bestandsgutachten verlieren mit jeder Nutzungsänderung an Aussagekraft und müssen entsprechend fortgeschrieben werden, infolgedessen sich auch die hydraulischen Randbedingungen verschieben können.

Ebenso wichtig sind digitale Baugrundmodelle: BIM-gestützte Baugrundmodelle verzahnen Erdbau und Folgegewerke – vorausgesetzt, die Bodendaten werden normgerecht nach DIN 4020 erhoben. Ohne diese Grundlage wird aus dem digitalen Zwilling lediglich eine grafische Annahme, die niemand verteidigen kann, wenn der Grundbruch eintritt.

Die maschinelle Verdichtungskontrolle (MVK) ist Stand der Technik und sollte bei allen Erdbauflächen mit Relevanz für spätere Lastabtragung eingeplant werden. Sie ersetzt den Plattendruckversuch nicht, liefert aber flächendeckende Daten, die punktuelle Messungen sinnvoll ergänzen und die Gleichmäßigkeit der Verdichtung dokumentieren.

Schulungen zu DIN-Normen runden das Bild ab: Wer Robotik und KI einführt, sollte parallel die normativen Grundlagen schulen. Ein autonom fahrender Bagger ändert nichts an der Pflicht zur Böschungsbruchberechnung und an der Verantwortung der baudurchführenden Person. Die Maschine nimmt dem Boden seine Risiken nicht – sie verlagert sie nur in eine andere Wahrnehmungsebene.