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Baukrise: Warum bei Erdarbeiten jetzt nicht gespart werden darf

Wie die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) bei einem Pressegespräch am Donnerstag berichtete, steckt die heimische Baubranche in einer ausgeprägten Auftragsflaute – insbesondere der Neubau schwächelt, während Rohstoff- und Energiepreise weiter steigen.

Baukrise: Warum bei Erdarbeiten jetzt nicht gespart werden darf

Für Erdbau und Bodenmechanik bedeutet das eine konkrete Verschiebung: Projekte werden seltener, und der Preisdruck auf jede Baugrube, jedes Planum und jede Verdichtungsprüfung steigt. Wer hier nachlässig plant, riskiert langfristig Setzungsschäden, die teurer werden als die eingesparte Vergabe.

Wenn der Preisdruck auf das Planum durchschlägt

Die WKNÖ schildert eine Konstellation, die aus geotechnischer Sicht besonders heikel ist: Auftraggeber agieren unter verschärften Kreditkonditionen, Baufirmen sitzen auf Fixpreis-Vereinbarungen und sollen zugleich steigende Kosten schultern. Genau in dieser Phase sinkt erfahrungsgemäß die Bereitschaft, bodenmechanisch notwendige Leistungen konsequent durchzusetzen. Eine reduzierte Anzahl von Verdichtungsprüfungen nach DIN 18127 oder das Weglassen der Proctorreferenz erscheint im Moment günstiger – die Folgen zeigen sich erst nach Jahren, wenn Setzungsrisse auftreten, die nach unserem Verständnis nicht im Mauerwerk, sondern in der unzureichenden Verdichtung des Planums begründet liegen.

Hinzu kommt die gesamtwirtschaftliche Lage: Laut Economica Institut liegt die Wertschöpfung in Österreich seit mehreren Jahren nahezu stagnierend, die Wachstumsraten bleiben deutlich hinter jenen der Nachbarländer zurück. Für Auftragnehmer im Erdbau bedeutet dies einen Verteilungskampf um jedes Projekt – und damit einen Anreiz, Nachträge zu vermeiden, selbst wenn der Baugrund abweichend vom Gutachten angetroffen wird.

Worauf Bauherren und Erdbauer jetzt achten sollten

Aus gutachterlicher Sicht empfiehlt sich derzeit ein besonders strenger Blick auf drei Punkte:

1. Baugrundgutachten nicht antasten. Wer am Baugrundgutachten spart, zahlt es an anderer Stelle doppelt. Bei heterogenen Böden oder Grundwassereinfluss ist eine ausreichende Anzahl an Sondierungen sowie Laborversuchen (Siebanalysen, Konsistenzgrenzen) unverzichtbar.

2. Verdichtungsprüfungen lückenlos dokumentieren. Auch bei knappen Aufträgen sollte jedes Planum nachweislich geprüft werden. Die Kosten einer Proctor- oder Lastplattenprüfung stehen in keinem Verhältnis zu einer späteren Sanierung infolge hydraulischer Grundbruch-Szenarien oder ungleichmäßiger Setzung.

3. Öffentliche Aufträge mit Risikozuschlag kalkulieren. Die WKNÖ fordert, dass bei öffentlichen Vergaben keine Fixpreise mehr vereinbart werden, damit Baufirmen nicht allein auf den steigenden Kosten sitzenbleiben. Wer aktuell ohne Risikozuschlag kalkuliert, riskiert genau jene Lage, die Landesinnungsmeister Günther Lehner für die gesamte Branche beschreibt: am Limit.

Marktumfeld und Maschinenwahl

Die Flaute trifft die niederösterreichische Baubranche mit voller Wucht: Verglichen mit 2021 ist die Produktion im Hochbau um 32 Prozent zurückgegangen, die Bewilligungen sind um 10.000 Wohnungen gesunken, und lediglich neun Prozent der Betriebe rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Umsätzen. Das Beschäftigungsminus liegt bei knapp 14 Prozent. Für die Maschinenmiete heißt das: Wer kurzfristig disponieren muss, findet derzeit leichter freie Kapazitäten – sowohl bei Baggern als auch bei Verdichtungsgeräten. Diese Phase sollte bewusst genutzt werden, um Geräte herstellerunabhängig zu vergleichen und nicht aus Verlegenheit zu nehmen, was gerade verfügbar ist.

Was bleibt zu beobachten

Ob die Anfang März in Kraft getretene Bauordnungsreform tatsächlich für weniger Bürokratie und mehr Flexibilität sorgt, wird sich nach Einschätzung der Branchenvertreter erst in der Breite zeigen. Auch die Reaktion der Finanzmarktaufsicht (FMA) auf die Forderung nach gelockerten Kreditvergaberichtlinien bleibt abzuwarten. Für Erdbauer und Bauherren gilt unterdessen: Augen auf das Planum, Hand an der Verdichtungskontrolle und keine Kompromisse bei der Baugrunderkundung – gerade weil die schleppende Auftragslage derzeit wenig Spielraum für spätere Nachbesserungen lässt.