Recyclingbaustoffe im Thurgau: Neuer Leitfaden für den effizienten Einsatz im Bauwesen
Eine neue Broschüre aus dem Thurgau zeigt, welche mineralischen Recyclingbaustoffe sich für welche Anwendungen im Hoch- und Tiefbau eignen.

Herausgeber sind das kantonale Amt für Umwelt, der Thurgauische Baumeisterverband und die Initiative Baustoff Kreislauf Thurgau. Für die deutsche Bauwirtschaft ist das Papier weniger ein direktes Regelwerk als ein praxisnaher Kompakt-Leitfaden – mit Signalwirkung, denn hierzulande stehen Ersatzbaustoffverordnung, RC-Material in Tragschichten und die Suche nach knappem Deponieraum vor derselben Herausforderung.
Zwischen Aufbereitung und Einbau
Mineralische Recyclingbaustoffe sind in der Bauwirtschaft längst etabliert – ihr Potenzial wird nach Angaben des Kantons jedoch nicht überall ausgeschöpft. Die Broschüre ordnet RC-Material aus Rückbau, Aushub und Ausbruch konkreten Anwendungen zu; Beton, Kiesgemische und Asphalt werden explizit als große Hebel genannt. Die Verwendungsempfehlungen stützen sich auf die geltenden gesetzlichen, technischen und normativen Grundlagen – ein Ansatz, der sich auf die deutsche Praxis übertragen lässt, wo Eluatklassen, Lieferformen und Einbauanforderungen ohnehin ähnlich definiert sind.
Was das für die Baustelle bedeutet
Branchenpräsident Thomas Imhof bringt die Haltung der Branche auf den Punkt: «Nicht Recycling um jeden Preis». Qualität, Normen und Wirtschaftlichkeit müssen stimmen, sonst wird aus Kreislaufwirtschaft nur ein Etikett. Für die tägliche Arbeit heißt das: Bereits in der Planungsphase prüfen, welche Massen tatsächlich anfallen, welche Aufbereitung nötig ist und ob ein Wiedereinbau technisch zulässig ist. Mathias Tschanen, Präsident des Baumeisterverbands, betont, dass Bauherren und Planer sich frühzeitig mit den Einsatzmöglichkeiten auseinandersetzen sollten. Wer das verschiebt, riskiert später entweder einen zu hohen Deponieanteil oder eine Ausschreibung, die RC-Material von vornherein ausschließt.
Was bleibt zu beobachten
Der Kanton stützt den verstärkten Einsatz von Recyclingbaustoffen nach eigenen Angaben auch mit dem Baustoffrecycling-Konzept und dem Massnahmenplan Klima – Instrumente, die in Deutschland vergleichbare Pendants in kommunalen Klimaschutz- und Abfallwirtschaftskonzepten finden. Politisch bleibt die Frage offen: Das Thurgauer Parlament beriet am Mittwoch über eine Initiative, die Kreislaufwirtschaft in der Kantonsverfassung zu verankern; der Regierungsrat hält das nicht für nötig. Für die Branche ist das ein Hinweis, dass das Thema rechtlich noch nicht abschließend sortiert ist – und dass die handwerkliche Praxis dem Gesetzgeber derzeit vorauseilt.