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Sardiniens Baugewerbe: Marktanalyse für Erdbau und Infrastruktur

Laut dem Lagebericht von Cna Costruzioni, dem italienischen Nationalverband der Handwerker und kleinen und mittleren Unternehmen, hat das sardische Baugewerbe im Jahr 2025 einen Umsatz von 7,6…

Sardiniens Baugewerbe: Marktanalyse für Erdbau und Infrastruktur

Laut dem Lagebericht von Cna Costruzioni, dem italienischen Nationalverband der Handwerker und kleinen und mittleren Unternehmen, hat das sardische Baugewerbe im Jahr 2025 einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro erwirtschaftet – ein leichter Rückgang von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl ist für die Erd- und Tiefbaupraxis kein abstrakter Konjunkturwert, sondern berührt unmittelbar die Vergabe öffentlicher Infrastrukturprojekte und damit die Auftragslage im Erdbau, Straßen- und Wasserbau.

Vom Aufschwung zur Konsolidierung

Der Bericht, vorgestellt vom Regionalsekretär der sardischen CNA, Francesco Porcu, weist für 2025 einen Rückgang der Investitionen um 2,8 Prozent und der Produktion um 2 Prozent aus. Infolgedessen endet ein dreijähriger Wachstumszyklus, der zuvor vor allem durch den sogenannten Superbonus und andere Steueranreize getragen wurde. Während öffentliche Bauvorhaben und Infrastruktur nach Angaben des Verbands stabil bleiben, schwächelt insbesondere der Wohnungsbau. Für die Erdbauplanung bedeutet diese Differenzierung: Lose im kommunalen Tiefbau bleiben kalkulierbar; im privaten Wohnungsbau ist hingegen mit Zurückhaltung bei der Vergabe von Erd- und Gründungsarbeiten zu rechnen. Kapazitätsplanung und Geräteauslastung sollten entsprechend nachjustiert werden.

Beschäftigung wächst – Fachkräftemangel bleibt Risiko

Mit 48.000 Beschäftigten erreichte die sardische Baubranche den höchsten Stand der letzten Jahre; der Kreditmarkt wuchs im Vergleich zu 2024 sogar um 35 Prozent. Diese Indikatoren stehen jedoch in einem auffälligen Missverhältnis zur Investitionskurve. Die CNA benennt als zentrale Schwäche die fragmentierte Unternehmensstruktur – ein Befund, der sich bodenmechanisch unmittelbar auswirkt. Wo Erdbauleistungen von vielen kleinen Anbietern ohne ausreichende geotechnische Qualifikation erbracht werden, steigt die Wahrscheinlichkeit unzureichender Proctorverdichtung, fehlerhafter Beurteilung der Scherfestigkeit oder mangelhafter Planumsbearbeitung. Die Folgen zeigen sich dann nicht in der Konjunkturstatistik, sondern als Setzungsrisse, Tragfähigkeitsprobleme oder hydraulischer Grundbruch am fertigen Bauwerk. Porcu selbst verweist auf den Mangel an qualifizierten Fachkräften als eines der kritischsten Probleme des Sektors. Eine sachgerechte Baugrundansprache nach DIN 18196 oder eine normgerechte Verdichtungskontrolle lässt sich nicht durch ungelernte Aushilfen kompensieren – wer am Baugrund spart, zahlt dies an der Standsicherheit.

Ausblick 2026/2027

Für 2026 erwartet die CNA eine Stabilisierung des sardischen Baumarktes; für 2027 prognostiziert der Verband einen Rückgang von rund 2 Prozent bei Umsatz und Investitionen. Für Bauherren und Erdbauunternehmen in vergleichbaren Märkten heißt das: Die Phase großzügig sprudelnder Aufträge geht vorerst zu Ende. Wer aktuell Investitionen in Baumaschinen oder zusätzliche Kapazitäten plant, sollte Auslastung und Folgeaufträge sorgfältig kalkulieren, statt auf eine nahtlose Fortsetzung des vorherigen Booms zu setzen.