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Warum mangelnde Koordination bei Erdarbeiten Glasfasernetze gefährdet

Die Nigerian Communications Commission (NCC) hat im ersten Halbjahr 2026 über 5.000 Beschädigungen von Glasfaserkabeln registriert und führt diese überwiegend auf Straßenbau- und Erdarbeiten zurück.

Warum mangelnde Koordination bei Erdarbeiten Glasfasernetze gefährdet

Wie der Executive Vice-Chairman der NCC, Aminu Maida, auf einem Stakeholder-Workshop in Abuja mitteilte, gehen die Vorfälle in den meisten Fällen auf eine unzureichende Abstimmung zwischen Tiefbauunternehmen und Telekommunikationsbetreibern vor Beginn der Baumaßnahmen zurück. Für die geotechnische Praxis ist dieser Befund ein deutlicher Hinweis darauf, dass Schäden an Bestandsinfrastrukturen kein unabwendbares Baulos sind, sondern das Resultat fehlender Schnittstellenkoordination – ein Risiko, das sich mit vergleichsweise einfachen organisatorischen und normativen Mitteln beherrschen lässt.

Ursachenbild: Wo die Abstimmung versagt

Maida beschreibt die typische Schadensursache in einer für jede Baustelle nachvollziehbaren Weise: Der Maschinenführer erkennt im Aushub ein einzelnes, scheinbar harmloses Kabel, während die tatsächliche Tragweite eines Schnitts erst auf nationaler Ebene sichtbar wird – ausgefallene Zahlungsverkehrsdienste, unterbrochene Krankenhauskommunikation, beeinträchtigte Sicherheitsinfrastruktur. Bedingt durch die fehlende Vorabinformation zwischen Auftraggeber, Bauunternehmer und Leitungsbetreiber wird das Kabel dann nicht als schützenswerte Bestandsstruktur behandelt, sondern als unbekannter Hindernisgrund im Planum.

Übertragen auf mitteleuropäische Verhältnisse entspricht dies exakt dem Szenario, vor dem die DIN 18300 (Erdarbeiten) und das DVGW-Regelwerk sowie die VOB/C warnen: Ohne dokumentierte Leitungsauskunft vor dem ersten Baggergreifer ist die Scherfestigkeit des anstehenden Bodens zweitrangig, weil die Schadenswirkung eben nicht im Baugrund selbst, sondern in der nicht erkannten Fremdinfrastruktur liegt. Infolgedessen verschiebt sich die Haftungsfrage von der geotechnischen auf die koordinative Ebene.

Was Bauherren und Maschinenführer jetzt prüfen sollten

Aus den nigerianischen Erfahrungen lassen sich drei konkrete Prüfschritte ableiten, die in jedem Erdbau- und Straßenbauprojekt vor dem Aushub stehen sollten. Erstens: die vollständige Leitungsauskunft über alle relevanten Infrastrukturbetreiber – Glasfaser, Strom, Gas, Wasser, Abwasser – und deren Dokumentation im Bautagebuch. Zweitens: die vertragliche Fixierung der Schutz- und Suchschachtungsmaßnahmen, idealerweise mit Handschachtung im Nahbereich bekannter Trassen, da eine rein maschinelle Lösung die Proctordichte der späteren Verfüllung gefährdet und die Kapillarität des Planums stört. Drittens: die Einweisung des Bedienpersonals auf die rechtliche Einordnung kritischer Infrastrukturen, wie sie Effiom Ewa vom Büro des nationalen Sicherheitsberaters für Nigeria ausdrücklich als schützenswert bezeichnet hat – ein Grundsatz, der in Deutschland über § 202a StGB und das IT-Sicherheitsrecht ohnehin gilt.

Wer diese drei Schritte konsequent in die Baustellenvorbereitung integriert, behandelt Bestandsleitungen nicht als Restriktion, sondern als Teil des Baugrundmodells – und reduziert damit das Risiko eines hydraulischen oder mechanischen Schadens an sensibler Infrastruktur bereits vor dem ersten Spatenstich auf ein normatives Minimum.