Meldung

Digitale Vernetzung im Tiefbau: Mehr Transparenz durch smarte Baustellendaten

Wie das Bauhof-online berichtet, setzt die August Dohrmann GmbH aus Remscheid gemeinsam mit Kiesel und dem hauseigenen Digitalisierungsspezialisten Makineo auf eine durchgängig vernetzte Baustelle…

Digitale Vernetzung im Tiefbau: Mehr Transparenz durch smarte Baustellendaten

Wie das Bauhof-online berichtet, setzt die August Dohrmann GmbH aus Remscheid gemeinsam mit Kiesel und dem hauseigenen Digitalisierungsspezialisten Makineo auf eine durchgängig vernetzte Baustelle – von der Erstvermessung über die maschinengestützte Bauausführung bis zur späteren Abrechnung. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die einzelne Maschine, sondern das Zusammenspiel aus Vermessung, Steuerung und Dokumentation, das dem Tiefbau eine bislang ungewohnte Nachvollziehbarkeit verleiht. Für die Geotechnik ist das mehr als ein IT-Thema: Es verändert die Art, wie Schichtgrenzen, Verdichtungsqualität und Baufortschritt erfasst und gegenüber Auftraggeber und Prüfingenieur belegt werden.

Vermessung als Fundament der Ausführungsqualität

Gerade bei Erd- und Tiefbaumaßnahmen entscheidet die Qualität des Planums über das spätere Setzungsverhalten der Konstruktion. Ist das Planum in seiner Höhenlage unzureichend dokumentiert, fehlt nicht nur der Aufmaßbeleg – es fehlt die Bezugsbasis für die Verdichtungskontrolle, etwa den Plattendruckversuch oder die Proctorreferenz. Marius Geldien, Oberbauleiter bei August Dohrmann, formuliert diesen Zusammenhang klar: „Vermessung ist die Grundlage für unsere Bauausführung und die spätere Abrechnung. Gleichzeitig müssen wir jederzeit in der Lage sein, den Bauzustand nachvollziehbar zu dokumentieren." Genau diese Nachvollziehbarkeit ist es, die im Schadensfall zwischen einer plausiblen Bauausführung und einer angreifbaren Ausführung unterscheidet.

Auf den Baustellen kommen Leica-Roverstab, Totalstationen, Vermessungsdrohnen und der mobile 3D-Scanner SDX PocketScan zum Einsatz. Die erfassten Daten laufen in einer zentralen Cloud zusammen und stehen Polier, Bauleiter und Maschinist gleichermaßen zur Verfügung. Was zunächst wie eine Komfortsteigerung klingt, hat unmittelbar bodenmechanische Wirkung: Abweichungen vom Sollprofil werden sichtbar, bevor sie sich in der nächsten Verdichtungslage fortschreiben – ein Aspekt, der bei bindigen Böden direkt mit der Scherfestigkeit und der späteren Tragfähigkeit verknüpft ist.

Maschinensteuerung und automatische Dokumentation im Verbund

Beim Bau eines Retentionsfilterbeckens in Burscheid ist ein Hitachi ZX225USLC-7 mit 3D-Maschinensteuerung im Einsatz, bei Kanal- und Straßenbauprojekten in Neuss ein KTEG 375USLC-7. Ergänzt werden die Maschinen durch KTEG-AutoDoku, das jeden Baufortschritt mit Zeitstempel erfasst. Aus geotechnischer Sicht ist die Kombination entscheidend: Die 3D-Steuerung sorgt dafür, dass Aushubtiefen und Planumshöhen exakt eingehalten werden, während AutoDoku die zeitliche Komponente dokumentiert. Bereits wenige Zentimeter Abweichung am Planum können dazu führen, dass die nachfolgende Verdichtungsprüfung auf einer unbefriedigenden Bezugsebene durchgeführt wird – ein Risiko, das bei fortdauernder, automatisch protokollierter Maschinenführung praktisch ausgeschlossen wird.

Mike Träbert, Vertriebsspezialist bei Makineo, beschreibt den Anspruch an das System entsprechend: „Erst wenn alle Systeme miteinander arbeiten und dieselbe Datenbasis nutzen, entsteht ein echter Mehrwert für den Kunden." Dieser Hinweis deckt sich mit einer bautechnischen Grundregel: Isolierte digitale Insellösungen – eine 3D-Steuerung ohne Anbindung an die Vermessung oder eine Drohnenbefliegung ohne Bezug zur Maschinensteuerung – erzeugen Datenfriedhöfe statt Prozesssicherheit.

Worauf es bei der eigenen Baustelle ankommt

Die Erfahrung aus Remscheid zeigt, dass die Technik allein nicht trägt – entscheidend ist die Abstimmung zwischen Maschinenhersteller, Digitalisierungspartner und Bauausführendem. Für Bauherren und Profis, die Erd- und Tiefbauleistungen ausschreiben oder selbst ausführen, ergeben sich daraus drei konkrete Punkte, die vor Auftragsvergabe geklärt sein sollten: die vertragliche Fixierung von Vermessungsbezugssystem, Höhennachweis und Dokumentationskette; die Prüfung, ob tatsächlich eine durchgängige digitale Kette von der Erstvermessung bis zur Abrechnung besteht; und die Frage, wer die Datenhoheit über die Cloud behält – ein Aspekt, der im Streitfall über Verfügbarkeit und Vollständigkeit der Baudokumentation entscheidet.

Die digitale Baustelle ist aus dieser Sicht kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um die Sorgfalt, die nach DIN 18300 und ZTV E-StB ohnehin gefordert wird, tatsächlich dokumentieren zu können – und damit Setzungsrisiken zu minimieren, Nachträge zu vermeiden und die eigene Position gegenüber Auftraggeber und Prüfingenieur zu stärken.