Hochwasserschutz in Bern: Aarstrasse für 18 Monate voll gesperrt
Aarstrasse in Bern: Hochwasserschutz zwingt zu anderthalb Jahren Vollsperrung…

Wie die Stadt Bern mitteilt, startet am 7. September 2026 die zweite Etappe des Projekts «Hochwasserschutz Aare Bern». Entlang der Aarstrasse wird das heute über das Flussbett auskragende Trottoir zurückgebaut und durch eine neue Uferschutzmauer aus Sandstein ersetzt. Die damit verbundene Sperrung der Aarstrasse für den motorisierten Individualverkehr dauert bis Frühjahr 2028 – ein Zeitraum, der für die bauliche und logistische Planung in der Region unmittelbar relevant ist.
Eingriffe in den Baugrund und in die Uferlinie
Die heutige Auskragung des Trottoirs über die Aare ist aus geotechnischer Sicht ein Relikt vergangener Stadterweiterung. Der Rückbau verändert die Lasteinleitung am Ufer grundlegend: Statt einer Kragplatte übernimmt künftig eine Schwergewichtsmauer aus Sandstein die Auflast, was die Sohlpressungsverteilung normalisiert und Setzungsdifferenzen im Baugrund reduziert. Bedingt durch diesen Eingriff werden bestehende Abwasserentlastungen auf das Hochwasserniveau angehoben – ein Schritt, der verhindert, dass bei Hochwasser Schmutzwasser rückwärtig in die Altstadtkanalisation drückt. Auch die Strassenentwässerung wird an die neue Geometrie angepasst; im selben Bauabschnitt werden die Strom-, Wasser- und Gasleitungen erneuert. Die Bündelung ist baupraktisch sinnvoll, denn jede spätere Aufgrabung würde die zuvor verdichtete Tragschicht erneut schwächen und das Planum nachhaltig destabilisieren.
Beim Schwanenmätteli entsteht entlang des Trottoirs eine Hochwasserschutzmauer, die zugleich als Sitzmauer dient. Die bestehende Baumreihe bleibt durch sogenannte Wurzelbrücken weitgehend erhalten – sie leiten Horizontallasten aus Wind und Verkehr über die Wurzelballen in den Baugrund ab, ohne die neuen Fundamente zu untergraben. Lediglich drei Bäume bei der Polleranlage sowie ein durch Biber beschädigter Baum am Ufer müssen gefällt werden. Die Werkleitungsarbeiten in Münzrain, Weihergasse, Gasstrasse und Brückenstrasse beginnen im Frühjahr 2027 und dauern bis Herbst 2028; das Schwanenmätteli dient während der gesamten Bauzeit als Installationsplatz.
Sperrungen, Umleitungen und was Bauherren jetzt einplanen sollten
Die Aarstrasse ist zwischen Polleranlage und Abzweigung Badgasse vom 7. September 2026 bis Frühjahr 2028 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt; die Polleranlage bleibt geschlossen, ausgenommen für Direktanwohnende mit Sonderbewilligung. Fussgänger und Velofahrende können die Baustelle passieren, streckenweise im Mischverkehr. In der ersten Bauphase wird die Buslinie 30 durch die Baustelle geführt – die Haltestelle Badgasse entfällt. Ab März 2027 verändert sich die Linienführung zusätzlich durch die Sanierung der Nydeggbrücke.
Nach Abschluss der Hauptarbeiten bleibt die Aarstrasse vorerst provisorisch, weil sie als Baustellenzufahrt für die Hochwasserschutzmassnahmen in der Matte dient. Für diese dritte Etappe – laut Stadt Bern voraussichtlich zwischen 2029 und 2033 – liegt derzeit noch keine Baugenehmigung vor. Die endgültige Neugestaltung mit Schutzstreifen und rund 30 neugepflanzten Bäumen erfolgt deshalb erst nach Abschluss der Matte-Etappe.
Für Erdbaubetriebe und Maschinenvermieter in der Region bedeutet das: erhöhter Bedarf an kompakter innerstädtischer Logistik, weil die Zufahrtswege über Badgasse und Matte abgewickelt werden. Wer in diesem Zeitraum Aushubarbeiten, Materialtransporte oder Werkleitungsumlegungen plant, sollte die Sperrzeiten frühzeitig in die Bauphasenplanung einrechnen – zumal parallel ab Frühjahr 2027 in vier weiteren Gassen parallel Gräben für ewb-Leitungen offengehalten werden. In der Konsequenz steigt die Anforderung an eine vorausschauende Verkehrs- und Installationsplanung, damit keine der Etappen die andere blockiert.