Neue Ausbildungsordnungen für Bauberufe treten in Kraft
Wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) mitteilt, treten zum 1. August 2026 bundesweit neue Ausbildungsordnungen für 19 Berufe im Aus-, Hoch- und Tiefbau in Kraft.

Damit werden die seit 1999 geltenden Ausbildungsinhalte grundlegend überarbeitet und an veränderte Kompetenzanforderungen angepasst – von Building Information Modeling (BIM) über digitale Vermessungstechniken bis zum Drohneneinsatz. Für Betriebe im Erdbau bedeutet das: Die Fachkräfte, die ab diesem Ausbildungsjahr in den Betrieben ankommen, bringen ein anderes Wissensprofil mit als bisher.
Was sich strukturell ändert
Für die 16 dreijährigen Bauberufe entfällt die klassische Zwischenprüfung. An ihre Stelle tritt eine gestreckte Prüfung mit zwei Teilen: Teil I im vierten Ausbildungshalbjahr, Teil II am Ende der Ausbildung. Die zweijährigen Berufe werden über ein Anrechnungsmodell mit den dreijährigen verzahnt, wodurch die Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungswegen steigt. Verpflichtend bleiben mindestens 30 Wochen überbetriebliche Ausbildung bei einer dreijährigen Ausbildungsdauer. Begleitend stellt das Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB) im Portal "Leando" zielgruppengerechte Materialien für das Ausbildungs- und Prüfungspersonal bereit; insgesamt 16 Umsetzungshilfen der Reihe "Ausbildung gestalten" erläutern die modernisierten Strukturen praxisnah.
Was sich inhaltlich verschiebt – und was das für den Erdbau bedeutet
Bauliche Aspekte zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind künftig durchgängig verankert – von der Arbeitsplanung über die Baustelleneinrichtung bis zur Qualitätskontrolle. Neu hinzu kommt für alle Bauberufe der Themenschwerpunkt Bauen im Bestand. Aus den bisherigen Inhalten zur Wärmedämmung werden Energieeffizienzmaßnahmen an und in Bauwerken, ergänzt um Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Hinzu kommen der sichere und umweltgerechte Umgang mit Gefahrstoffen sowie ein verbindlicher Nachhaltigkeits-Check, der ökologische Auswirkungen von Baustoffen und Bauhilfsstoffen bewertet und künftig Bestandteil der Prüfungen ist.
Für Erdbau und Bodenmechanik schärft dieser Nachhaltigkeits-Check den Blick auf die Materialwahl im Planumsbereich und bei der Bodenbehandlung: Wiederverwendbarkeit von Aushubmaterial, Ressourceneffizienz bei der Proctorverdichtung sowie die Dokumentation eingesetzter Bauhilfsstoffe rücken stärker in den Fokus der Qualitätskontrolle. Der Schwerpunkt Bauen im Bestand verlangt zudem eine sensiblere Baugrundbeurteilung – etwa wenn Erdarbeiten in der Nähe bestehender Gründungen oder Leitungsnetze ausgeführt werden, wo Kapillarität, Scherfestigkeit des anstehenden Bodens und das Risiko eines hydraulischen Grundbruchs noch sorgfältiger zu bewerten sind.
Worauf Betriebe jetzt achten sollten
Aus Sicht der Baupraxis sind drei Punkte handlungsleitend: Erstens sollten Ausbildungsverantwortliche die neuen Umsetzungshilfen der Reihe "Ausbildung gestalten" sowie das BIBB-Portal "Leando" in die betriebliche Unterweisung einbinden, insbesondere zu BIM-gestützter Arbeitsplanung und digitaler Vermessung. Zweitens empfiehlt es sich, die eigenen Prüfungs- und Qualitätssicherungsprozesse an der gestreckten Prüfungsstruktur auszurichten und frühzeitig mit der überbetrieblichen Ausbildung abzustimmen. Drittens – und das betrifft die Schnittstelle zwischen Ausbildung und Baustelle direkt – sollte der Umgang mit dem Nachhaltigkeits-Check in innerbetrieblichen Abläufen verankert werden, bevor die ersten Auszubildenden nach neuer Ordnung in die Prüfungsphase eintreten.