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Österreichs Bauwirtschaft: Warum der Tiefpunkt 2026 keine Trendwende bedeutet

Nach Angaben des i-Magazins dürfte Österreichs Bauwirtschaft 2026 ihren Tiefpunkt erreichen.

Österreichs Bauwirtschaft: Warum der Tiefpunkt 2026 keine Trendwende bedeutet

Das ist jedoch kein Signal für eine rasche Normalisierung: Die zugrunde liegende EY-Parthenon-Prognose erwartet bis 2028 nur eine sehr geringe Erholung, während insbesondere der Neubau weiter unter hohen Kosten, schwieriger Finanzierung und wenigen Baubewilligungen leidet. Für Erd- und Tiefbauunternehmen bedeutet das vor allem eines: Auslastung, Projektvorbereitung und Gerätebindung müssen noch genauer als in einem Wachstumsmarkt aufeinander abgestimmt werden.

Der Tiefpunkt ist keine Trendwende

Das reale Bauvolumen soll laut Prognose von 58,7 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf voraussichtlich 51,7 Milliarden Euro im Jahr 2026 zurückgehen. Nach 51,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 wäre dies zwar der erwartete Tiefpunkt; bis 2028 soll das Volumen aber lediglich auf 52,0 Milliarden Euro steigen.

Die entscheidende Einordnung lautet daher: Ein stabilisierter Rückgang ersetzt keinen tragfähigen Aufschwung. Projekte, die wegen Kosten, Finanzierung oder unsicherer Erlöse verschoben wurden, werden nicht allein durch das Erreichen eines Tiefpunkts wieder baureif. Gerade bei Bauabläufen mit hohem Vorlauf – von Baugrunduntersuchung, Planung und Genehmigung bis zu Aushub und Gründung – bleibt diese Verzögerung für die Ausführenden spürbar.

Hochbau bleibt der Engpass für viele Erdarbeiten

Besonders deutlich fällt die Schwäche laut i-Magazin im Hochbau und dort im Neubau aus. Das reale Hochbauvolumen sank von 50,6 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 43,3 Milliarden Euro im Jahr 2025. Für 2026 wird nochmals ein leichtes Minus von 0,3 Prozent erwartet; erst 2027 und 2028 soll der Hochbau moderat wachsen.

Für die Praxis ist das keine abstrakte Branchenzahl. Weniger Wohnungs- und sonstige Hochbauprojekte bedeuten regelmäßig weniger zusammenhängende Leistungspakete vom Baugrubenaushub über Verbau, Entwässerung und Planumsherstellung bis zur Wiederverfüllung. Renovierungen haben den Markt zwar teilweise gestützt, können den Rückgang neuer Hochbauvorhaben nach der Prognose aber nicht ausgleichen.

Wer Kapazitäten für Erdarbeiten plant, sollte deshalb nicht auf eine allgemeine Markterholung vertrauen, sondern den tatsächlichen Projektstand prüfen: Ist die Finanzierung gesichert? Liegt eine belastbare Genehmigung vor? Sind Baugrund, Entsorgung und Logistik bereits geklärt? Erst diese Abfolge trennt ein angekündigtes Vorhaben von einem Auftrag, für den Personal und Maschinen tatsächlich disponiert werden können.

Infrastruktur stabilisiert – aber nicht unbegrenzt

Der Infrastrukturbau wirkt der Prognose zufolge weiterhin stabilisierend, kann die Schwäche im Hochbau jedoch nicht ausgleichen. Zugleich verliert auch dieser Bereich an Dynamik. Für Unternehmen mit Schwerpunkt Straßenbau, Wasserbau oder großvolumigen Erdbewegungen ist das ein Hinweis, einzelne Infrastrukturmaßnahmen nicht pauschal als Ersatz für ausgefallenen Neubau zu bewerten.

Die gegenwärtige Lage verlangt daher eine saubere Projektkalkulation statt einer Auslastungsplanung nach Hoffnung. Insbesondere bei verschobenen Vorhaben sollten Leistungsumfang, Bauzeit und Gerätebedarf neu abgeglichen werden. Eine früh reservierte Maschine, deren Einsatz wegen fehlender Freigaben oder veränderter Bauabläufe nicht erfolgt, bindet Kapital; eine zu spät gesicherte Kapazität kann dagegen den Beginn eines realisierten Projekts gefährden.

Der Markt nähert sich nach dieser Prognose seinem Tiefpunkt. Für Bauherren, Ausführende und Vermieter ist das vorerst weniger die Nachricht einer Entspannung als die Aufforderung, die technische und wirtschaftliche Reife jedes einzelnen Bauvorhabens besonders streng zu prüfen.