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Meeressand als Alternative: Wie 14 Milliarden Kubikmeter den Autobahnbau sichern

Ein Bericht aus Vietnam verdeutlicht, wie schnell sich die geotechnische Materialbasis verschieben kann: Wie vietnam.vn unter Berufung auf das dortige Bauministerium mitteilt, werden im Mekong-Delta…

Meeressand als Alternative: Wie 14 Milliarden Kubikmeter den Autobahnbau sichern

Ein Bericht aus Vietnam verdeutlicht, wie schnell sich die geotechnische Materialbasis verschieben kann: Wie vietnam.vn unter Berufung auf das dortige Bauministerium mitteilt, werden im Mekong-Delta derzeit acht Schnellstraßenprojekte mit einer Gesamtlänge von 463 km durch zehn Provinzen realisiert. Der Bedarf an Hinterfüllsand für die Gründungen beläuft sich auf rund 53,7 Millionen Kubikmeter. Da die natürlichen Sandvorkommen der Region nur noch schätzungsweise zehn Prozent dieses Bedarfs decken und die Übernutzung Ufererosion provoziert, hat das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt sechs Meeresgebiete vor Soc Trang für den Abbau ausgewiesen – mit einem abbaubaren Gesamtvorkommen von rund 14 Milliarden Kubikmetern.

Wenn der Standardbaustoff zur Mangelware wird

Der Konflikt ist im Mekong-Delta besonders zugespitzt, weil der Baugrund in den flachen Schwemmlandbereichen durchweg schwach tragfähig ist. Wie der stellvertretende Bauminister Nguyen Van Sinh ausführt, erfordern solche Abschnitte durchgehend Maßnahmen zur Untergrundverbesserung, zum Bodenaustausch und zur Dammschüttung. Das treibt den Materialbedarf in eine Größenordnung, die lokal nicht mehr aus Flusssand gedeckt werden kann. Für die vier Schnellstraßenprojekte im Zeitraum 2022–2025 werden rund 36 Millionen Kubikmeter Dammbausand benötigt; die vorhandenen Lizenzflächen in An Giang, Dong Thap und Vinh Long reichen dafür nicht aus. Die Folge ist ein Dominoeffekt: Erosion an Flussufern, verringerte Landfläche und ein veränderter natürlicher Flusslauf.

Was Meeressand im Erdbau leisten muss

Die ausgewiesenen Abbaugebiete liegen zehn bis 25 Kilometer vor der Küste in zehn bis 30 Metern Wassertiefe. Bevor ein solches Material jedoch bedenkenlos in einen Damm eingebaut werden kann, sind aus geotechnischer Sicht mehrere Parameter zwingend nachzuweisen. Insbesondere die Korngrößenverteilung, die Proctorverdichtbarkeit sowie der Gehalt an organischen Bestandteilen und Chloriden entscheiden darüber, ob der Sand als verdichtungsfähiger Dammschüttstoff überhaupt geeignet ist. Bedingt durch die marine Genese ist häufig eine enggestufte, runde Kornform zu erwarten – was die Scherfestigkeit gegenüber fluvialem oder gebrochenem Material spürbar herabsetzen kann.

Worauf Bauleiter in der Praxis achten sollten

Wer auf der Baustelle einen nicht vorgesehenen Sand angeliefert bekommt, sollte die Eignungsprüfung konsequent durchziehen. Dazu gehören Siebanalyse, Proctorversuch, Glühverlust zur Bestimmung organischer Anteile sowie eine Salzgehaltsbestimmung, sofern der Sand im Bereich von Beton- oder Stahlbauteilen eingebaut wird. Infolgedessen lässt sich erst nach Vorlage dieser Nachweise beurteilen, ob der Damm in der geplanten Geometrie standsicher bleibt oder ob der Schüttkörper angepasst werden muss. Der vietnamesische Fall ist ein warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn eine ganze Region den Zugriff auf ihren Standardbaustoff verliert.