Wie Geotechnik den CO2-Ausstoß im modernen Bauwesen drastisch reduziert
Geotechnik könnte den CO2-Fußabdruck im Bauwesen maßgeblich senken. Wie die internationale Konferenz für Bodenmechanik und Geotechnik (Icsmge) in Wien erörterte, ließe sich der CO2-Ausstoß im Erdbau…

Geotechnik könnte den CO2-Fußabdruck im Bauwesen maßgeblich senken. Wie die internationale Konferenz für Bodenmechanik und Geotechnik (Icsmge) in Wien erörterte, ließe sich der CO2-Ausstoß im Erdbau durch konsequente Kreislaufwirtschaft und innovative Bindemittel bis 2030 um bis zu 40 Prozent reduzieren. Diese Zahl ist für Planer und ausführende Unternehmen nicht nur eine Zielvorgabe, sondern ein konkreter Maßstab, an dem sich die Effizienz künftiger Projekte messen lassen wird.
Materialkreisläufe: Der größte Hebel liegt im Bodenaushub
Die Konferenzteilnehmer stellten fest, dass bis zu 90 Prozent des anfallenden Bodenaushubs technisch wiederverwendet werden könnten. Derzeit wird ein Großteil deponiert, da das Material rechtlich oft als Abfall gilt. Eine Bodenverbesserung – etwa durch stabilisierende Bindemittel oder eine optimierte Verdichtung nach Proctor – anstelle eines kompletten Bodenaustauschs kann die Emissionen bei Gründungsprojekten bereits um bis zu 50 Prozent senken. Helmut F. Schweiger, Präsident der Austrian Geotechnical Society, betont, dass der größte Hebel in der Logistik und der Anerkennung des Aushubs als Wertstoff liege. Eine Berücksichtigung des CO2-Fußabdrucks in öffentlichen Vergabekriterien könnte hier rasch Anreize für umweltschonende Verfahren setzen.
Alternative Bindemittel: Hohe Einsparpotenziale statt Zement
Ein weiterer Ansatzpunkt ist der Ersatz von Portlandzement. Alternative Bindemittel wie Geopolymere oder kalzinierte Tone können bis zu 70 Prozent der Emissionen einsparen, die üblicherweise bei der Zementherstellung entstehen. Diese Lösungen sind mit der bestehenden Baustellentechnik kompatibel. Ihr Einsatz erfordert jedoch präzise Kenntnisse der Bodenmechanik, da die Reaktion und die erreichbare Scherfestigkeit des behandelten Bodens von dessen Mineralogie und Feuchtegehalt abhängen. Ohne gesicherte Kreisläufe und geotechnisch fundierte Mischungskonzepte bleiben die Potenziale ungenutzt.
Ausbildung als Fundament: Südtirol setzt auf neuen Nachwuchs
Die praktische Umsetzung dieser Innovationen steht undfällt mit qualifizierten Fachkräften. Ein positives Signal sendet die Fachoberschule für Bauwesen in Bozen, wo der Schwerpunkt Geotechnik mit neun Einschreibungen im kommenden Schuljahr wieder aufgenommen wird. Der Lehrgang vermittelt fundierte Kenntnisse in Tiefbau, Bodenmechanik und Infrastrukturplanung. Für die Südtiroler Bauwirtschaft ist die Ausbildung von Geotechnikern eine zentrale Voraussetzung, um die ambitionierten Klimaziele im Bauwesen nicht nur zu diskutieren, sondern in der Praxis – von der Planung bis zur Maschinenauswahl für die Bodenverbesserung – umzusetzen.