Meldung

Tiefbaukosten steigen rasant: Warum kommunale Budgets unter Druck geraten

Nach den Berechnungen von Statistik Austria hat der Tiefbau den Hochbau preislich abgehängt — und genau dort, wo Gemeinden als Auftraggeber auftreten, wird die Luft in den Haushalten immer dünner.

Tiefbaukosten steigen rasant: Warum kommunale Budgets unter Druck geraten

Was die jüngste Indexentwicklung für Vergabeverfahren, RC-Material und Tragschichten konkret bedeutet, zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen des 2. Quartals 2026.

Was die Statistik Austria ausweist

Der Baupreisindex für Hoch- und Tiefbau erreicht im 2. Quartal 2026 einen Stand von 104,9 Punkten (Basisjahr 2025 = 100). Die Spaltung zwischen den Bausparten ist allerdings deutlich: Der Tiefbau liegt bei 106,8 Punkten und verteuerte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,0 Prozent, gegenüber dem Vorquartal um 4,7 Prozent. Der Hochbau stagniert bei 103,7 Punkten — ein Plus von 3,6 Prozent YoY und 2,2 Prozent QoQ. An der Spitze der Bewegung steht der Straßenbau mit einem Teilindex von 107,3 Punkten (+7,5 % YoY, +4,9 % QoQ). Der Brückenbau legt im Jahresvergleich um 6,8 Prozent zu, der sonstige Tiefbau um 6,5 Prozent. Demgegenüber verteuerten sich der Wohnhaus- und Siedlungsbau um 3,6 Prozent und der sonstige Hochbau um 3,8 Prozent.

Was das für Vergabe und Bauausführung bedeutet

Einerseits schlagen im Tiefbau die klassischen Kostentreiber durch — Energie, Diesel, Transport, Löhne und ein nach wie vor knappes Geräteangebot. Andererseits wirken regulatorische Anforderungen zusätzlich preissteigernd: Wo die Ersatzbaustoffverordnung und verschärfte Eluatklassen den Einsatz von RC-Material in Tragschichten und Frostschutzschichten verteuern, schlägt das direkt auf die Einheitspreise durch. Für Fachplaner und Bauherren heißt das: Angebote, die noch auf Vorjahrespreisen basieren, entsprechen nicht mehr der Marktlage. Wer aktuell Erd-, Straßen- oder Kanalbauleistungen ausschreibt, sollte die Preisbasis explizit auf das laufende Quartal beziehen und Preisgleitklauseln nicht als formale Pflichtübung behandeln.

Worauf Bauleiter und Vergabestellen jetzt achten sollten

Bei der Wertung ist der wirtschaftlichste Bieter nicht mehr automatisch der mit dem niedrigsten Angebotspreis — entscheidend wird die Plausibilität der Kalkulation über die gesamte Bauzeit. Stoffpreisgleitungen, eine klare Regelung zu Nachweisen über Material- und Energiekosten und ein sauber dokumentierter Preisstand schaffen Rechtssicherheit für beide Seiten und reduzieren das Nachtragsrisiko. Gleichzeitig bleibt ein Blick auf die nächsten Quartalsmeldungen ratsam: Setzt sich der Trend fort, werden knappe Mittel in den Gemeindehaushalten und steigende Angebote in der Tiefbausparte zur neuen Normalität. Wer heute vergibt, sollte die Indexentwicklung deshalb als festen Bestandteil der Risikoabschätzung in jede Ausschreibung mitdenken — und auf der Baustelle den Dialog zwischen Vergabestelle und Bauausführung frühzeitig suchen.