Tiefpunkt am Bau 2026: Was der Rückgang für Erdbau und Maschinenpark bedeutet
Die Bauprognose von EY für Österreich markiert für 2026 den Tiefpunkt – das ist die eine Hälfte der Nachricht.

Die andere, für unsere Leser entscheidende: Das reale Bauvolumen sinkt laut der „Parthenon Bauprognose" von 58,7 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf voraussichtlich 51,7 Milliarden Euro, und das Minus konzentriert sich genau dort, wo Erdbau, Bodenaushub und Baugruben relevant werden – im Neubau.
Wo der Druck tatsächlich entsteht
Wer nur die Gesamtzahlen liest, übersieht das Wesentliche. EY weist den Neubau im Hochbau als zentrale Schwachstelle aus: Das reale Neubauvolumen fiel zwischen 2021 und 2025 von 35,4 auf 27,9 Milliarden Euro, ein durchschnittlicher Rückgang von 5,8 Prozent pro Jahr. Genau diese Projekte sind es, die in der Bodenklasse 3 bis 5, in der Grundwasserhaltung und in der Verdichtung des Planums den größten Material- und Maschineneinsatz erzeugen. Ein gedrosselter Neubau schlägt deshalb nicht nur auf die Auftragsbücher der Hochbauunternehmen durch, sondern unmittelbar auf die Auslastung von Baggern, Rüttelplatten und Radladern.
Warum der Markt sich trotz Bedarf nicht löst
Die Knappheit entsteht bautechnisch nicht aus mangelnder Nachfrage, sondern aus der Wirtschaftlichkeit. EY benennt höhere Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten und unsichere Verkaufserlöse. Was das für die Praxis bedeutet, lässt sich präzise fassen: Projekte werden nicht gestrichen, sondern verkleinert, in Etappen zerlegt oder mit schärferen Auflagen an die Gründungssohle versehen. Die Folge sind häufiger inhomogene Aushubsohlen, bei denen nach Teilabnahme neu angedeckt werden muss – ein klassisches Setzungsrisiko, das entsteht, wenn der Verdichtungsnachweis nach Proctor für das Planum nicht durchgängig dokumentiert wird.
Worauf Erdbau-Profis jetzt achten sollten
Bei abnehmendem Volumen steigt erfahrungsgemäß der Preisdruck, und damit sinkt die Bereitschaft, bodenmechanische Standards konsequent einzuhalten. Drei Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit:
- Planumsnachweis konsequent führen. Wo das Neubauvolumen um 0,6 Prozent im Jahr 2026 erstmals wieder minimal wächst, werden voraussichtlich viele kleine, in Modulen ausgeschriebene Erdarbeiten vergeben. Jedes Modul braucht einen eigenen Verdichtungsnachweis, nicht eine globale Abnahme.
- Bestandsbau statt Neubau. EY hebt hervor, dass Renovierungen den Markt stabilisieren. Das verlagert Erdarbeiten in den Bestand: enge Zufahrten, lastbeschränkte Decken, sensible Bestandsgründungen. Wer hier mit Standardgeräten ohne Kenntnis der Tragfähigkeit anrückt, riskiert hydraulischen Grundbruch oder unzulässige Setzungen.
- Infrastruktur als Stütze im Blick behalten. Infrastruktur verliert laut EY an Schwung, bleibt aber relativ robust. Für Erdbau und Straßenbau bedeutet das: Weniger Großprojekte, dafür mehr mittelgroße, oft terminlich eng getaktete Lose – eine Baustellenlogistik, die Vorbereitung von Baugruben und Wasserhaltung aufwendiger macht.
Was wir beobachten
Die EY-Prognose erwartet ab 2027 wieder moderates Wachstum im Hochbau (+0,7 Prozent) und 2028 +1,1 Prozent, was das Hochbauvolumen auf 43,9 Milliarden Euro heben würde – immer noch deutlich unter dem Niveau von 2021. Solange Aufträge knapp sind, entscheidet die Qualität der Baugrundvorbereitung über den wirtschaftlichen Erfolg jeder einzelnen Baustelle. Wer Aushub, Verdichtung und Grundwassermanagement normgerecht dokumentiert, schafft sich gerade in einem schrumpfenden Markt die Argumentationsbasis für Nachtragsforderungen und Folgeaufträge.