Ufersicherung erodiert: Fehler bei Steinschüttungen beheben

Mit der ZTV-W LB 210, Ausgabe 2024, und der TLW 2022 gelten für Deckwerke aus Wasserbausteinen an Bundeswasserstraßen und vielen Landesgewässern hohe Anforderungen an Filterstabilität, Steinklassifizierung und Einbindetiefe am Böschungsfuß.

Ufersicherung erodiert: Fehler bei Steinschüttungen beheben

Wenn die Norm den Bauablauf vorgibt

Bestandsbauwerke aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren wurden dagegen häufig nach einer Praxis hergestellt, die heutige Anforderungen an Filteraufbau und hydraulische Sicherheit nicht mehr erfüllt. Besonders kritisch sind Vliesstoffe, deren Eigenschaften oder Einbausituation nach heutigen Maßstäben keine ausreichende Filterstabilität gewährleisten.

Typische Schadensbilder zeigen sich oft erst nach dem ersten größeren Hochwasserereignis: Einzelne Steine kippen in eine kraterartige Mulde, dahinter wird Feinmaterial ausgespült, und der Böschungsfuß verliert seine Tragfähigkeit. Wer eine solche Ufersicherung reparieren will, ohne denselben Fehler zu wiederholen, muss den Schaden von unten nach oben denken – nicht von oben nach unten. Diese Erfahrung machen Bauleiter, Wasserbehörden und Unterhaltungspflichtige in jeder Hochwassersaison aufs Neue, wenn nach dem Ablaufen des Wassers sichtbar wird, was die Strömung über Monate hinweg ausgespült hat.

Eine neue Deckschicht kann die Oberfläche zunächst wieder ordentlich aussehen lassen. Wenn der Filter darunter fehlt, beschädigt ist oder nicht zum anstehenden Boden passt, bleibt die Ursache jedoch bestehen. Die Steine liegen dann auf einem Unterbau, der den hydraulischen Belastungen nicht dauerhaft standhält.

Warum eine Steinschüttung ohne filterstabilen Unterbau langfristig versagt

Eine offene Steinschüttung ist kein dichtes Bauwerk. Zwischen den Steinen verbleiben Hohlräume, deren Größe und Anteil von der verwendeten Größenklasse, der Kornverteilung und der Art des Einbaus abhängen. Bei jeder hydraulischen Belastung – sei es durch Schiffswellen, saisonalen Hochwasserabfluss oder dauerhaft erhöhten Wasserstand – wirkt auf den dahinterliegenden Boden ein hydraulischer Gradient.

Fehlt ein geeigneter Filter, wandert Feinmaterial mit dem Sickerwasser in die Hohlräume der Steinschüttung und schließlich nach außen. Zunächst ist davon an der Oberfläche häufig wenig zu sehen. Unter der Deckschicht können sich jedoch Hohlräume und rückschreitende Erosionen bilden. Die Steine verlieren ihre Auflage, kippen oder sacken ab. Erst dann wird sichtbar, dass der eigentliche Schaden längst im Unterbau entstanden ist.

Einerseits trägt die Steinschüttung die hydraulische Last, andererseits hält der Filter den anstehenden Boden zurück. Beide Aufgaben lassen sich nicht voneinander trennen. Ein mineralischer Kornfilter übernimmt diese Funktion über abgestufte Körnungen und aufeinander abgestimmte Filterkriterien. Ein geotextiler Vliesstoff wirkt dagegen über seine charakteristische Öffnungsweite, seine Wasserdurchlässigkeit und seine Rückhaltefähigkeit gegenüber dem Boden.

Für die Bemessung eines mineralischen Filters werden je nach Aufgabe und Regelwerk unter anderem Filterkriterien nach Terzaghi oder aus einschlägigen wasserbaulichen Bemessungsempfehlungen, etwa den USBR-Kriterien, herangezogen. DIN 18196 gehört nicht in diese Reihe: Sie dient der Klassifikation von Böden und ist keine Regel zur Bemessung von Filtern. Für die konkrete Ausführung sind deshalb die projektbezogenen wasserbaulichen Regelwerke, die Eigenschaften des anstehenden Bodens und die Vorgaben des jeweiligen Auftraggebers maßgeblich.

In der Praxis kann die Kombination aus mineralischem Filter und Geotextil sinnvoll sein. Sie schafft einen robusten, abgestimmten Schichtaufbau und bietet bei geeigneter Planung zusätzliche Sicherheit. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Schicht beliebig die andere ersetzt. Jede Lage muss für die tatsächliche hydraulische, mechanische und baubetriebliche Beanspruchung bemessen werden.

Wer am Filter spart, repariert die Ufersicherung alle paar Jahre neu – nur eben ohne dauerhaften Erfolg.

Filterversagen ist nicht immer sofort sichtbar

Nicht jede Mulde in einer Steinschüttung bedeutet automatisch, dass der Vliesstoff versagt hat. Auch eine zu geringe Steingröße, eine unzureichende Schichtdicke, eine falsche Böschungsneigung oder eine fehlende Fußsicherung können denselben sichtbaren Effekt auslösen. Deshalb sollte die Schadensaufnahme mehrere Bauteile gleichzeitig betrachten:

  • die Lage und Ausdehnung der abgesackten Bereiche,
  • die Beschaffenheit und Lagerung der Wasserbausteine,
  • die Schichtdicke der Deckschicht,
  • den Zustand des Vliesstoffs oder mineralischen Filters,
  • die Einbindung am Böschungsfuß,
  • die Beschaffenheit der Gewässersohle,
  • die Strömungs- und Wellenbelastung am jeweiligen Uferabschnitt.

Ein hydraulisches oder geotechnisches Gutachten ist besonders dann sinnvoll, wenn sich der Schaden wiederholt, die Sohle sichtbar tiefer liegt oder die Belastung durch Schifffahrt, Wehre oder wechselnde Wasserstände schwer einzuschätzen ist. Ohne diese Einordnung wird jede Instandsetzung zur Annahme. Und Annahmen sind im Wasserbau teuer, weil sie oft erst beim nächsten Hochwasser widerlegt werden.

Typische Schadensbilder erkennen: vom Absacken bis zur Kolkbildung

Bevor Bagger und Schreitbagger anrollen, lohnt sich eine sorgfältige Bestandsaufnahme am Böschungsfuß, im Wechselwasserbereich und entlang der Mittelwasserlinie. Folgende Befunde weisen auf Filterversagen, mangelhafte Gründung oder eine fehlende Einbindung hin:

  • Einzelne Mulden oder Krater in der Steindecke: Sie treten häufig dort auf, wo Sickerwasser Feinmaterial aus dem Untergrund ausgetragen hat.
  • Freiliegende Böschungskanten: Wird der Boden direkt unterhalb der Steine sichtbar, ist die ursprüngliche Auflagerung bereits gestört.
  • Feinmaterial am Böschungsfuß: Sandfahnen, trübe Austritte oder kleine Materialzungen im Wasser können auf innere Erosion hinweisen.
  • Gekippte oder verschobene Steine: Neigen sich Steine zur Gewässerseite oder wandern sie in Längsrichtung, fehlt häufig die sichere Verzahnung der Deckschicht.
  • Wellig abgesackter Uferverlauf: Ein ursprünglich gerader Verlauf, der sich in Mulden und Wellen auflöst, deutet auf einen flächigeren Verlust des Unterbaus hin.
  • Freigelegte und unterspülte Fußbereiche: Hier besteht die Gefahr, dass die Böschung nicht nur absackt, sondern als zusammenhängender Abschnitt abrutscht.
  • Glattgeschliffene Steinoberflächen: Sie können auf eine dauerhaft hohe Wellen- oder Strömungsbeanspruchung hinweisen, ersetzen aber keine hydraulische Untersuchung.

Diese Befunde können nach einem Hochwasser deutlich hervortreten. Bei ständiger Schiffswellenbelastung oder dauerhaft erhöhtem Wasserstand entwickeln sie sich jedoch oft schleichend. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, wie groß eine sichtbare Mulde ist. Ebenso wichtig ist, ob sich der Schaden weiter ausbreitet und ob am Böschungsfuß bereits Material verloren gegangen ist.

Eine punktuelle Reparatur kann ausreichen, wenn nur einzelne Steine verschoben wurden und der Filter nachweislich intakt ist. Sobald jedoch Feinmaterial ausgetragen wurde oder sich Hohlräume unter der Deckschicht gebildet haben, muss der betroffene Abschnitt geöffnet werden. Das bloße Nachschütten von Steinen verschließt dann lediglich die Oberfläche.

Wasserbausteine normgerecht auswählen: DIN EN 13383-1 und TLW 2022

Die Auswahl der Wasserbausteine ist keine Geschmacksfrage und auch keine reine Kostenfrage. Die DIN EN 13383-1 unterscheidet unter anderem Größenklassen wie CP, leichte Gewichtsklassen wie LMB und schwere Gewichtsklassen wie HMB. Diese Bezeichnungen dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

CP 45/125, CP 63/180 oder CP 90/250 bezeichnen Größenklassen beziehungsweise Nennbereiche der Steine. Die Zahlen sind keine Angabe des Stückgewichts in Kilogramm. Das tatsächliche Gewicht eines einzelnen Steins hängt unter anderem von seiner Form, seiner Dichte und seiner konkreten Größe ab. LMB- und HMB-Klassen werden dagegen als Gewichtsklassen angegeben. Die Schreibweise LMB 40/200 beschreibt deshalb einen anderen Klassifizierungsansatz als CP 90/250.

Welche Klasse am jeweiligen Uferabschnitt sinnvoll ist, hängt von Schiffsverkehr, Wellenbelastung, Fließgeschwindigkeit, Wasserstandsschwankungen, Böschungsneigung und der vorgesehenen Schichtdicke ab. Die Technischen Lieferbedingungen für Wasserbausteine ergänzen die Anforderungen an Prüfung, Lieferung und Materialeigenschaften, etwa an Gesteinsqualität, Dichte und Frostbeständigkeit.

Ein pragmatischer Überblick über häufig verwendete Klassen:

KlasseEinordnungTypischer Einsatzbereich
LMB 5/40Gewichtsklasse, etwa 5 bis 40 kgSchwach belastete Ufer, stehende oder langsam fließende Gewässer, flach geneigte Böschungen
LMB 10/60Gewichtsklasse, etwa 10 bis 60 kgMittel belastete Ufer, mäßiger Schiffsverkehr, Wehrbereiche und kleinere Binnenkanäle
LMB 40/200Gewichtsklasse, etwa 40 bis 200 kgMittel bis stark belastete Ufer und Binnenkanäle mit Berufsschifffahrt
CP 90/250Größenklasse, keine GewichtsangabeStark belastete Ufer, Bereiche mit intensiver Schifffahrt und geeignete Deichaußenbermen
HMB 300/1000Gewichtsklasse, etwa 300 bis 1000 kgSehr stark belastete Ufer, Deichfußsicherungen, Küstenschutz und besonders beanspruchte Bauwerke

Die Tabelle ersetzt keine Bemessung. Gerade bei CP-Klassen ist es falsch, aus der Klassenbezeichnung direkt auf ein Stückgewicht zu schließen. Für Ausschreibung, Lieferung und Einbau müssen die Anforderungen des Bauwerks und die geforderte Materialklasse eindeutig beschrieben werden.

Wichtig bleibt außerdem: Ohne filterstabilen Unterbau nützt auch die schwerste Gewichtsklasse nichts. Wer die Steinklasse erhöht, ohne den Filter zu ertüchtigen, verlagert das Problem lediglich. Die Mulden können tiefer werden, die Reparaturintervalle kürzer. Steinklasse, Filteraufbau, Böschungsgeometrie und Fußauflager müssen deshalb als zusammenhängendes System betrachtet werden.

Filtervlies verlegen: Was unter den Steinen wirklich zählt

Ein häufiger Fehler auf Bestandsbaustellen ist der Versuch, nachträglich ein Filtervlies von oben zwischen die bestehende Steinschüttung zu schieben. Das funktioniert in der Regel nicht dauerhaft. Der Vliesstoff muss beim schichtweisen Neuaufbau auf dem vorbereiteten Untergrund liegen und flächig Kontakt zum Boden haben. Andernfalls entstehen Falten, Hohlstellen und ungesicherte Randbereiche. Beim Schütten der Wasserbausteine kann das Geotextil beschädigt oder durch einzelne Steine durchgeschlagen werden.

Zur Behebung eines tatsächlichen Filterversagens muss der betroffene Uferabschnitt geöffnet und von unten neu aufgebaut werden. Eine Übergangslösung, bei der nur die obere Steinlage ergänzt wird, kann die Oberfläche kurzfristig stabilisieren. Sie beseitigt jedoch weder den Materialaustrag noch die fehlende Trennung zwischen Boden und Deckschicht.

Für die Auswahl des Filtervlieses sind mehrere Eigenschaften entscheidend:

  • ausreichende mechanische Robustheit für den Einbau unter Wasserbausteinen,
  • eine zur Beanspruchung passende Geotextilrobustheitsklasse,
  • geprüfte Stempeldurchdrückkraft, beispielsweise nach EN ISO 12236,
  • ausreichende Wasserdurchlässigkeit bei gleichzeitigem Rückhalt des anstehenden Feinbodens,
  • passende charakteristische Öffnungsweite,
  • Beständigkeit gegen die zu erwartende UV-, Hydrolyse- und Alterungsbeanspruchung,
  • sichere Befestigung und ausreichende Überlappung an Stößen und Anschlüssen.

Ein pauschales Mindestflächengewicht kann die Bemessung nicht ersetzen. In vielen wasserbaulichen Anwendungen werden robuste Vliesstoffe mit einem Flächengewicht von mindestens etwa 600 g/m² eingesetzt. Ob dieser Wert genügt, hängt aber von Untergrund, Steinklasse, Fallhöhe beim Einbau, Wasserzustand und der vorgesehenen Nutzungsdauer ab. Bei grobem Schüttmaterial oder schwierigen Einbaubedingungen kann ein höherer mechanischer Schutz erforderlich sein.

Das Vlies muss faltenfrei verlegt und gegen Aufschwimmen, Verrutschen und Unterspülung gesichert werden. Am Böschungskopf ist ein ausreichender Anschluss erforderlich. Am Böschungsfuß darf die Geotextillage nicht einfach an der sichtbaren Kante enden. Sie muss so geführt und eingebunden werden, dass Wasser nicht unter dem Filter hindurch einen neuen Erosionsweg eröffnet.

Alternativ oder ergänzend kommt ein mineralischer Filter infrage. Dabei wird eine abgestufte Filterschicht eingebaut, deren Körnung auf den anstehenden Boden und die hydraulische Situation abgestimmt ist. Eine Mindestdicke von rund 30 Zentimetern kann bei geeigneten Randbedingungen eine Orientierung sein, ist aber kein allgemeingültiger Wert für jedes Bauwerk. Bei stark wechselnden Belastungen und empfindlichem Baugrund kann ein mineralischer Filter besonders robust sein, weil er weniger anfällig für lokale Beschädigungen beim Einbau ist. Dafür benötigt er ausreichend Platz und eine sorgfältige Abstimmung der Kornverteilung.

Garten- und Landschaftsbau-Vliese aus dem Baumarkt sind für solche Aufgaben nicht automatisch geeignet. Entscheidend sind nicht allein die Bezeichnung als Vlies oder ein hoher Flächenpreis, sondern nachgewiesene Eigenschaften für die vorgesehene Anwendung. Ein Filter unter schweren Wasserbausteinen muss mechanisch und hydraulisch deutlich mehr leisten als eine Trennlage im Gartenbau.

Eine Ufersicherung wird nicht von oben repariert – sie wird von der Sohle her neu aufgebaut.

Schritt für Schritt: Instandsetzung von der Sohle aufwärts

Die nachhaltige Reparatur einer erodierten Steinschüttung folgt einem Ablauf, der die Ursache und nicht nur das sichtbare Symptom beseitigt. Die konkrete Ausführung richtet sich nach Wasserstand, Zugänglichkeit, Baugrund und Genehmigungslage. Die grundlegende Reihenfolge bleibt jedoch entscheidend:

1. Bestandsaufnahme und Schadensdokumentation: Der betroffene Uferabschnitt wird – soweit technisch und rechtlich möglich – trockengelegt oder durch einen geeigneten Fangedamm beziehungsweise eine andere Wasserhaltung gesichert. Böschungsfuß, Sohle und Deckwerk werden freigelegt, fotografisch dokumentiert und maßlich aufgenommen.

2. Schadensumfang abgrenzen: Nicht jede sichtbare Mulde muss vollständig bearbeitet werden. Umgekehrt darf ein Abschnitt nicht zu knapp bemessen werden, wenn sich unterhalb der Steine bereits Hohlräume gebildet haben. Übergänge zu intakten Bereichen müssen so geplant werden, dass keine neue Schwachstelle entsteht.

3. Bestehende Schüttung zurückbauen: Wasserbausteine werden ausgebaut und seitlich gelagert. Wiederverwendbare Steine sind zu kontrollieren und zu sortieren. Verschlammtes, gebrochenes oder ungeeignetes Material gehört nicht ungeprüft zurück in den Aufbau.

4. Untergrund profilgerecht herstellen: Der anstehende Boden wird auf die geplante Solllage gebracht. Lose Bestandteile, Schlamm, ausgewaschenes Feinmaterial und unbrauchbare alte Filterstoffe müssen entfernt werden. Der Untergrund darf nicht nur optisch geglättet, sondern muss für die folgenden Schichten tragfähig und lagegerecht vorbereitet werden.

5. Filtervlies verlegen: Der Vliesstoff wird faltenfrei und mit projektbezogen ausreichender Überlappung verlegt. Eine Überlappung von mindestens 30 Zentimetern kann bei geeigneten Randbedingungen vorgesehen werden; bei hohen Wasserständen, steilen Böschungen oder besonderen Anschlussdetails können größere Überdeckungen oder zusätzliche Sicherungen erforderlich sein. Das Vlies wird am Böschungskopf und am Böschungsfuß sicher geführt.

6. Mineralischen Filter einbauen, sofern vorgesehen: Die abgestufte Filterschicht wird gleichmäßig und profilgerecht eingebracht. Schichtdicke und Kornverteilung müssen der Bemessung entsprechen. Eine Verdichtung darf nur so erfolgen, dass der Filter seine Durchlässigkeit behält und die darunterliegende Geotextillage nicht beschädigt wird.

7. Wasserbausteine schütten: Der Einbau erfolgt von unten nach oben und mit einer für die Belastung geeigneten Klasse. Die Steine müssen ausreichend verzahnt liegen. Fallhöhen, Schüttlagen und Geräteeinsatz sind auf die Robustheit des Filters abzustimmen. Ein Vlies kann durch eine einzelne ungünstig abgelegte oder aus großer Höhe fallende schwere Platte beschädigt werden.

8. Fußauflager herstellen: Der Böschungsfuß braucht eine ausreichend tiefe und standsichere Einbindung in die Gewässersohle. Die genaue Ausführung richtet sich nach der erwarteten Kolktiefe, der Sohldynamik und der hydraulischen Belastung. Ein nur oberflächlich aufgelegter Fußschutz wird bei Unterspülung schnell wirkungslos.

9. Anschlüsse und Übergänge sichern: Zu benachbarten Deckwerken, Bauwerken, Uferwegen und intakten Abschnitten dürfen keine offenen Fugen oder abrupten Höhensprünge entstehen. Gerade an Übergängen konzentriert sich die Strömung häufig und beginnt dort mit neuer Erosion.

10. Abnahme und Dokumentation: Schichtdicken, Steinklasse, Vliesrobustheitsklasse, Böschungsneigung, Fußauflager und besondere Anschlussdetails werden dokumentiert. Bei öffentlichen Gewässern ist diese Dokumentation häufig Bestandteil der behördlichen Abnahme und erleichtert spätere Inspektionen.

Diese Reihenfolge ist keine bloße Empfehlung. Wer die Steine vor dem Filter einbaut, kann den Vliesstoff nicht mehr fachgerecht und flächig verlegen. Wer den mineralischen Filter falsch aufbaut, verliert die hydraulische Trennung. Wer auf das Fußauflager verzichtet, riskiert bei der nächsten Hochwassersaison erneut eine Kolkung am Böschungsfuß.

Wenn das Ufer mehr braucht: Sonderfälle und Übergangsbereiche

Nicht jeder Uferabschnitt lässt sich allein mit einer Steinschüttung dauerhaft sichern. Im Wechsel- und Überwasserbereich, also oberhalb der Mittelwasserlinie, können technisch-biologische Bauweisen wie Faschinen, Spreitlagen oder Vegetationsmatten sinnvoll sein. Sie stabilisieren den oberen Böschungsbereich, bremsen den Oberflächenabfluss und können die Belastung auf den darunterliegenden Filter reduzieren. Zusätzlich erfüllen sie ökologische Funktionen und verbessern die Lebensraumqualität am Gewässer.

Ingenieurbiologische Maßnahmen ersetzen die tragende Schutzfunktion einer normgerecht bemessenen Steinschüttung im tieferen Unterwasserbereich jedoch nicht automatisch. Bei erheblicher Wellen- oder Strömungsbelastung bleibt das technische Deckwerk das Rückgrat der Sicherung. Eine bewährte Kombination besteht deshalb aus technischer Steinschüttung im Unterwasserbereich und ingenieurbiologischer Sicherung im Überwasserbereich. Der Übergang am Mittelwasserniveau muss so ausgebildet werden, dass kein konzentrierter Wasserlauf hinter oder unter eine der beiden Sicherungen gelangt.

Ein Sonderfall ist die Sanierung an fließenden Gewässern mit ausgeprägter Sohlerosion. Hier reicht die Ufersicherung allein oft nicht aus. Eine Sohlstabilisierung – beispielsweise durch geeignete Riegel, Sohlgleiten oder eine aufgesetzte Sohlschwelle – kann dann Teil der Gesamtlösung sein. Sie verhindert das weitere Eintiefen der Gewässersohle und entlastet den Böschungsfuß, der sonst durch die absinkende Sohle freigelegt wird.

Auch Durchlässe, Brücken, Einmündungen und Kurvenbereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit. Dort ändern sich Strömungsrichtung und Turbulenz häufig auf kurzer Strecke. Eine Steinschüttung, die auf einem geraden, gleichmäßig belasteten Ufer funktioniert, kann an einem Bauwerksanschluss oder in einer Außenkurve trotzdem versagen. Das gilt ebenso für Abschnitte mit wechselndem Wasserstand, in denen sich die Belastung nicht auf eine einzige Wasserlinie beschränkt.

An tidebeeinflussten Küstenabschnitten kommen zusätzliche Anforderungen aus dem Küstenschutz hinzu, etwa durch Schwall, Sunk und wechselnde Strömungsrichtungen. Die Bemessung der Steine und des Fußbereichs muss dort nicht nur einen einzelnen Hochwasserabfluss, sondern die wiederkehrende Belastung aus unterschiedlichen Wasserständen berücksichtigen.

Abschluss: Wer am Filter baut, baut dauerhaft

Eine erodierte Steinschüttung zu reparieren heißt, den Schaden am richtigen Bauteil zu suchen. Die Steine oben sind selten die alleinige Ursache. Sie sind meist das sichtbare Ende einer Kette aus Filterversagen, fehlender Einbindung am Böschungsfuß, unpassender Steinklasse, zu geringer Schichtdicke oder veränderter Sohllage.

Wer die Ufersicherung von der Sohle aufwärts neu aufbaut, den Filter auf den anstehenden Boden abstimmt und die Wasserbausteine nach der passenden Klasse auswählt, schafft die Grundlage für eine dauerhafte Lösung. Dabei ist zwischen Größen- und Gewichtsklassen sauber zu unterscheiden: CP 90/250 ist eine Größenklasse und keine Gewichtsangabe in Kilogramm. Für die Filterbemessung sind geeignete wasserbauliche Filterkriterien und projektspezifische Regelwerke heranzuziehen; DIN 18196 ist dafür nicht die richtige Grundlage.

Das ist keine Garantie, sondern eine begründete technische Erwartung. Wasserbau bleibt ein standortbezogenes Handwerk. Jede Uferlinie hat ihre eigenen hydrologischen, geotechnischen und nutzungsbezogenen Bedingungen. Wer die Grundprinzipien – filterstabiler Unterbau, passende Steinklasse, fachgerecht verlegtes Filtervlies, ausreichende Schichtdicke und ein tiefes Fußauflager – konsequent anwendet und an die Verhältnisse vor Ort anpasst, legt den Grund für eine Ufersicherung, die nicht nach zwei Hochwassern, sondern erst nach Jahrzehnten wieder auf der Agenda steht.

Häufige Fragen

Warum sacken Steine in einer Ufersicherung ab?
Das Absacken deutet meist auf ein Filterversagen hin, bei dem Feinmaterial aus dem Untergrund ausgespült wurde, wodurch die Steine ihre tragfähige Auflage verlieren.
Kann man ein Filtervlies nachträglich von oben einbauen?
Nein, das ist in der Regel nicht dauerhaft wirksam. Ein Filtervlies muss beim schichtweisen Neuaufbau flächig auf dem vorbereiteten Untergrund liegen, um Falten und Hohlstellen zu vermeiden.
Welche Steinklasse ist für mein Ufer die richtige?
Die Wahl hängt von Faktoren wie Schiffsverkehr, Wellenbelastung, Fließgeschwindigkeit und Böschungsneigung ab. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, da die Klasse immer projektbezogen bemessen werden muss.
Ist ein Geotextil aus dem Baumarkt für den Wasserbau geeignet?
Nein, handelsübliche Gartenbau-Vliese sind für die mechanischen und hydraulischen Anforderungen unter schweren Wasserbausteinen in der Regel nicht ausgelegt.
Wie tief muss ein Filtervlies am Böschungsfuß eingebunden werden?
Das Vlies darf nicht an der sichtbaren Kante enden, sondern muss so in die Gewässersohle eingebunden werden, dass kein Wasser unter dem Filter hindurch einen Erosionsweg bilden kann.